Der Bodensee ist ein Übernachtungs-Revier mit einer Besonderheit: Er gehört gleich drei Ländern – Deutschland, Österreich und der Schweiz –, und rund um das Wasser reiht sich Ort an Ort, jeder mit eigenem Charakter. Man sucht sich ein Ufer, bezieht dort für die ganze Zeit das Quartier und lässt das Gepäck liegen: kein tägliches Ein- und Auspacken, kein Hotelwechsel. Abends stehst du wieder vor demselben Haus, das Motorrad sicher untergestellt, der See vor der Tür. Weil die Städte am Ufer dicht beieinanderliegen und über Fähren verbunden sind, liegt von einem gut gewählten Standort aus jeder Teil des Sees in Reichweite.
Dazu kommt die große Auswahl an Unterkünften. Vom Seehotel mit Blick aufs Wasser und abschließbarer Garage über den familiären Gasthof im Weinort, die Ferienwohnung für die Gruppe und den Bauernhof im Hinterland bis zum Campingplatz direkt am Ufer ist am Bodensee jede Art zu übernachten vertreten. Eines gehört dazugesagt: Der See ist beliebt, im Sommer sehr voll und entsprechend teuer, und die guten Betten sind früh weg. Diese Seite behandelt die Standorte, die Unterkünfte, die Rechtslage beim Zelten in den drei Ländern und den Zeitpunkt der Buchung.
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Ein Seename, drei Gewässer: was ein Standort abdeckt
Der Bodensee wird als eine Fläche geplant und fährt sich als drei getrennte Reviere. Der Obersee ist der große, offene Teil zwischen Bregenz, Lindau, Friedrichshafen, dem Schweizer Südufer und Konstanz — hier liegen die größten Orte, hier bündelt sich der Verkehr. Der Überlinger See zieht sich als schmaler Arm nach Nordwesten, eingeklemmt zwischen dem bewaldeten Rücken des Bodanrück und dem steilen Nordufer bei Sipplingen. Der Untersee westlich von Konstanz ist durch den Seerhein vom Rest abgetrennt: flach, gegliedert, mit der Insel Reichenau, der Halbinsel Höri und dem thurgauischen Südufer.
Diese Dreiteilung entscheidet, was ein Quartier taugt. Wer auf der Höri, in Radolfzell oder auf der Reichenau schläft, hat den ruhigsten Teil des Sees vor der Tür — aber jede Fahrt ans Ostufer führt entweder durch Konstanz oder außen herum über den Hegau und Stockach. Die Reichenau hängt zudem an einer einzigen Dammstraße, die im Sommer der Flaschenhals ist. Umgekehrt hat ein Quartier in Lindau oder Bregenz das Rheintal, den Bregenzerwald und das Westallgäu direkt im Rücken, während der Untersee von dort ein Tagesziel ist und keine Feierabendrunde. Mittig, zwischen Meersburg und Friedrichshafen, hältst du beide Enden auf brauchbarer Distanz — dafür sitzt du an der am stärksten befahrenen Uferachse des Sees.
Konstanz, Meersburg, Lindau, Bregenz oder Thurgau: die Quartierorte im Vergleich
Wo du dein Quartier aufschlägst, entscheidet am Bodensee über mehr als nur den Ausblick – es entscheidet, in welchem Land und an welchem Ufer du schläfst. Konstanz im Südwesten ist das lebendige Basislager: die größte Stadt am See, Häuser jeder Preisklasse, Altstadt, Hafen und direkt an der Schweizer Grenze zu Kreuzlingen gelegen. Etwas nördlicher am deutschen Obersee-Ufer liegen Meersburg mit seiner Oberstadt über dem Wasser und Friedrichshafen als größere Stadt – beide gut für alle, die eine breite Auswahl an Hotels und Pensionen wollen. Überlingen am Überlinger See ist die ruhigere, mildere Ecke im Nordwesten, beliebt und dementsprechend gefragt.
Im Osten reihen sich die beiden Gegensätze aneinander: Lindau, die bayerische Inselstadt mit ihrem berühmten Hafen, charmant, aber im Sommer teuer und voll – und gleich dahinter, schon in Österreich, Bregenz in Vorarlberg mit Seepromenade und der Möglichkeit, etwas außerhalb günstiger unterzukommen. Das Schweizer Ufer im Kanton Thurgau rund um Kreuzlingen und Gottlieben ist ruhiger und dörflicher, mit dem Vorbehalt der Frankenpreise (dazu unten mehr). Wer es günstig und ländlich mag, geht ins Hinterland weg vom Wasser – dort finden sich Gasthöfe und Ferienwohnungen zu Preisen, bei denen die Uferlage nicht jeden Euro auffrisst.
Hegau, Linzgau, Westallgäu und Bregenzerwald: was die zweite Reihe fahrerisch bringt
Ein paar Kurven landeinwärts wird es nicht nur billiger, sondern für Motorradfahrer oft auch reizvoller – und das Hinterland ist dabei nicht überall dasselbe. Hinter dem Untersee steigt der Schienerberg auf und geht in den Hegau über, wo nordwestlich des Sees rund um Singen und Radolfzell die alten Vulkankegel wie der Hohentwiel aus der Landschaft ragen; die Straßen dazwischen sind kurvig und die Gasthöfe deutlich günstiger als am Wasser. Bis zum See ist es von hier nur ein kurzer Ritt.
Nördlich über dem Überlinger See liegt der Linzgau mit sanften Hügeln, Streuobstwiesen und ruhigen Landgasthöfen rund um Salem und Heiligenberg, dazu das Deggenhausertal, der Gehrenberg bei Markdorf und die Höhe des Höchsten – ideal für ein preiswertes, entspanntes Quartier abseits des Trubels. Hinter Lindau beginnt mit dem Argental das Westallgäu, und auf der österreichischen Seite steigt es hinter Bregenz über den Pfänder in den Bregenzerwald, wo die ersten Alpenpässe beginnen und die Bergdörfer günstigere Betten bieten als die Uferpromenade.
Der Trick ist überall derselbe: das Basislager ins Hinterland legen, wo die Maschine im Hof sicher steht und die Übernachtung wenig kostet, und den See tagsüber ansteuern – während das kurvige Hinterland selbst schon die bessere Strecke ist. Wer dort schläft, startet morgens nicht in die Uferkolonne, sondern hat die erste kurvige Strecke vor dem Frühstück erledigt und fährt abends aus dem Ausflugsverkehr heraus statt hinein. Das Wasser bleibt Ziel, aber es liegt nicht mehr im Weg.
Seehotel, Landgasthof oder Ferienwohnung – und wo das Motorrad wirklich steht
Das Seehotel ist die komfortable Lösung: oft mit Blick aufs Wasser, mit abschließbarer Garage oder überdachtem Stellplatz, Trockenmöglichkeit und frühem Frühstück. Direkt am Ufer ist das die teuerste Variante, ein paar Straßen zurück wird es spürbar günstiger – bei gleicher Nähe zum See. Der Gasthof oder das Landhotel im Weinort oder im Hinterland ist die bodenständige Wahl: sauber, familiär, mit eigener Küche und meist einem sicheren Hof für die Maschine, zu Preisen weit unter der Uferlage.
Die Ferienwohnung lohnt sich vor allem für Gruppen und für längere Aufenthalte: eigener Schlüssel, eigene Küche, Platz zum Trocknen, und auf mehrere Fahrer aufgeteilt oft günstiger als das Doppelzimmer – am Bodensee allerdings häufig mit Mindestaufenthalt von mehreren Nächten in der Hochsaison. Die Pension oder das Privatzimmer ist die preiswerte, unkomplizierte Variante, gerade im Hinterland und auf den Höfen. In den engen Altstädten von Lindau, Meersburg oder Konstanz ist Parken dagegen knapp und teuer.
Winzer- und Obsthof als Quartier: Hof, Besenwirtschaft, Felchen und Most
Die Hänge über dem nördlichen Obersee sind Wein- und Obstland. Rund um Meersburg, Hagnau und Immenstaad wachsen Müller-Thurgau und Spätburgunder, dazwischen ziehen sich die Apfelplantagen der Obstregion Bodensee. Viele Winzer- und Obsthöfe vermieten Zimmer oder Ferienwohnungen – eine bodenständige und meist günstige Alternative zum Seehotel, mit einem ruhigen Hof, in dem das Motorrad nachts gut aufgehoben ist. Wo genau es steht, ist dabei die entscheidende Frage: auf dem Hof, unter Dach oder am Feldrand sind drei verschiedene Angebote.
Für Motorradfahrer hat ein solches Quartier einen praktischen Dreh. Wein und Fahren vertragen sich nicht, also ist ein Haus klug, von dem aus du die Maschine abends stehen lässt und zu Fuß in die nahe Besen- oder Straußwirtschaft gehst. Zum Frühstück kommt oft, was der Hof selbst erzeugt – Obst, Saft, Käse aus der Region. Und wer ein paar Nächte bleibt, hat ein festes Basislager mitten in den Weinorten, von dem aus sich die Uferstraßen und das Hinterland gleichermaßen abfahren lassen.
Die Küche der Region lebt dabei von zwei Zutaten. Die eine ist der Fisch: Felchen, Kretzer und Hecht stehen an den Uferorten auf den Karten, wobei der Felchenbestand des Sees stark zurückgegangen ist, seit der Nährstoffgehalt des Wassers nach den Reinhaltungsmaßnahmen der letzten Jahrzehnte drastisch gesunken ist. Die zweite Zutat ist das Obst: Aus den Apfelhängen und dem Hinterland dahinter entstehen Most, Saft und Brände, die in den Gasthöfen als Hauserzeugnisse ausgeschenkt werden.
Die für Reisende interessanteste Form der Bewirtung ist die Besen- oder Straußwirtschaft. Winzer dürfen darin die eigenen Erzeugnisse ausschenken und eine einfache Speisenkarte anbieten, allerdings in Baden-Württemberg nur an höchstens vier Monaten im Jahr und in maximal zwei Zeitabschnitten. Daraus ergibt sich ein wechselndes, örtlich verabredetes Nacheinander: In einem Weinort hat immer ein anderer Betrieb geöffnet, und die Aushänge in den Orten führen die jeweils aktuellen Termine. Für ein Quartier auf einem Winzer- oder Obsthof ist das der praktische Abendvorteil, weil sich die nächste geöffnete Besenwirtschaft in aller Regel zu Fuß erreichen lässt und das Motorrad im Hof bleibt.
Zelten am Dreiländersee: drei Verbote, ein dichtes Platzangebot
Am Dreiländersee gelten drei verschiedene Rechtsordnungen – und keine davon lässt wildes Zelten zu. Auf der deutschen Seite (Baden-Württemberg und Bayern) ist Wildcampen grundsätzlich verboten; schon das unerlaubte Aufstellen eines Zeltes kann ein Bußgeld nach sich ziehen, in Schutzgebieten deutlich mehr. In Österreich ist es in Vorarlberg zwar nicht pauschal untersagt, aber im Bereich der Seeufer ist eine behördliche Bewilligung nötig, und der Bürgermeister kann das Zelten aus Naturschutz- oder anderen Gründen untersagen – am Ufer läuft das praktisch auf ein Verbot hinaus. Nur das echte Notbiwak wird geduldet.
Am Schweizer Ufer im Kanton Thurgau gilt ein generelles Verbot – dort ist selbst das Übernachten im Fahrzeug auf Parkplätzen und Rastplätzen nicht erlaubt. Kurz gesagt: Einfach die Zeltbahn am Seeufer aufzuspannen, ist in allen drei Ländern keine gute Idee und kann teuer werden. Die entspannte Alternative sind die legalen Wege – die vielen Campingplätze rund um den See, dazu Bauernhöfe und Gastgeber, die einen Stellplatz anbieten. So schläfst du günstig und ohne Ärger, mit Dusche am Morgen und einem sicheren Fleck fürs Motorrad.
Denn der Bodensee ist ein klassisches Camping-Revier: Rund um den See, oft direkt am Ufer, liegt ein Platz neben dem anderen – auf der deutschen, der österreichischen und der Schweizer Seite. Viele Plätze am Wasser nehmen kleine Zelte gern auf, andere sind fast ausschließlich auf große Wohnmobile ausgelegt – zwischen diesen beiden Sorten liegt der Unterschied zwischen einer guten und einer zähen Nacht.
Der wichtigste Rat lautet: früh buchen. Die seenahen Plätze sind im Hochsommer und über die langen Wochenenden hoffnungslos ausgebucht, und wer erst am Nachmittag ohne Reservierung anrollt, steht schnell vor vollen Schranken. Reserviere deinen Stellplatz genauso wie ein Hotelzimmer, gerade zur Hauptsaison. Wer es ruhiger und günstiger mag, weicht auf die kleineren Plätze im Hinterland aus – ein paar Kilometer vom Wasser weg sind die Wiesen leerer, die Preise niedriger und der Abend friedlicher als am großen Ferien-Campingplatz direkt am Ufer.
Fähren Staad–Meersburg und Friedrichshafen–Romanshorn: Abkürzung mit Taktzwang
Der Überlinger See, der lange westliche Arm, zwingt dich auf der Straße zu einem weiten Bogen ums Wasser. Die Autofähre von Staad bei Konstanz nach Meersburg kürzt das ab: Sie verkehrt rund um die Uhr, tagsüber dicht getaktet, und nimmt Motorräder ganz selbstverständlich mit. Aus einer langen Umrundung wird eine kurze Überfahrt – und aus zwei getrennten Ufern ein zusammenhängendes Revier. Für die Quartierwahl heißt das: Du musst dich nicht zwischen Süd- und Nordufer entscheiden. Wer in Konstanz oder auf der Höri wohnt, erreicht über die Fähre schnell Meersburg, Friedrichshafen und das nördliche Obersee-Ufer, ohne den ganzen Umweg zu fahren.
Die Fähre kürzt allerdings nicht nur ab, sie taktet auch deinen Tag. Die Entscheidung fällt nicht am Anleger, sondern weit davor: Die Zufahrt auf der deutschen Seite läuft durch den Konstanzer Stadtverkehr, und wer erst in der Kolonne vor dem Anleger merkt, dass es dauert, hat den Landweg über Überlingen und Bodman-Ludwigshafen schon verpasst. Wartezeit misst sich hier nicht in Minuten, sondern in Abfahrten: Wer nicht mehr auf das Schiff passt, wartet einen kompletten Takt. In der Hochsaison und an schönen Wochenenden stauen sich die Autoschlangen an den Anlegern – früh dran sein oder Randzeiten nutzen. Und auf dem nassen, oft schrägen Fährdeck lohnt ein fester Stand und ein Auge auf den Seitenständer.
Weiter östlich verbindet die Fähre Friedrichshafen–Romanshorn das deutsche Nordufer mit dem Schweizer Südufer und spart die Runde um das Ostende über Bregenz und das Rheindelta. Beide Überfahrten sind für ein Quartier dann interessant, wenn du regelmäßig auf der Gegenseite unterwegs bist — als tägliche Pflichtstrecke taugen sie nicht, als gelegentliche Abkürzung sparen sie den Bogen um den halben See. Der dritte Zeitfaktor ist die Stadtgrenze Konstanz–Kreuzlingen: Sie liegt mitten im bebauten Gebiet, und an Samstagen steht der Einkaufsverkehr an den Übergängen zurück bis in die Stadt. Wer sein Quartier auf der jeweils anderen Seite dieser Grenze hat, plant das mit ein.
Uferstraße im Mischbetrieb: Radverkehr, Erntefahrzeuge, Parksuche
Rund um den See läuft ein durchgehender Radweg, der streckenweise auf der Uferstraße liegt, streckenweise unmittelbar daneben — und laufend quert: an Fähranlegern, Campingplatz-Einfahrten, Strandbädern und Promenaden. Im Sommer sind dort Familien, Leihräder und schnelle Pedelecs gleichzeitig unterwegs, mit stark unterschiedlichen Geschwindigkeiten und oft im Pulk. Für Motorradfahrer heißt das: Die Uferachse ist keine Fahrstrecke, sondern eine Zubringerstrecke. Sie wird zwischen zwei Orten selten flüssig, dafür ständig von Abbiegern, Parksuchverkehr und Reisebussen an den Altstädten und Anlegern durchsetzt.
Dazu kommt der Rhythmus der Landwirtschaft. Die Hänge über dem nördlichen Ufer sind Obst- und Rebland; im Spätsommer und Herbst laufen Erntefahrzeuge auf denselben schmalen Hangsträßchen, die als Ausweichroute zur Uferstraße dienen, und hinterlassen Erde und Fallobst in den Kurven. Wer ein Quartier wählt, dessen Zufahrt von der Landseite kommt statt über die Uferstraße, spart sich davon einen guten Teil. Ein nützliches Detail am Rand: Rund um den See stehen die orangefarbenen Sturmwarnleuchten. Vierzig Blitze pro Minute stehen für Starkwind, neunzig für Sturm — ein Wetterhinweis, den du im Vorbeifahren siehst, lange bevor die Front über dem Wasser steht.
Quartier mit Seezugang: Badesteg, Strandbad, Ufergrundstück
Der Begriff Seeblick sagt am Bodensee nichts darüber aus, ob man auch ans Wasser kommt. Das deutsche Ufer ist über weite Strecken bebaut und in Privatgrundstücke aufgeteilt, ein durchgehender öffentlicher Uferweg existiert nur abschnittsweise. Der Zugang läuft deshalb überwiegend über die kommunalen Strandbäder, die Eintritt kosten und feste Betriebszeiten haben — die Saison endet in vielen Bädern bereits Mitte September, also lange bevor die Motorradsaison zu Ende ist.
Häuser mit eigenem Grundstück am Wasser haben häufig einen Badesteg oder eine Liegewiese, die den Gästen offensteht. Das ist ein echtes Unterscheidungsmerkmal, weil es nach einem heißen Tag in Kombi den Unterschied zwischen einem Sprung in den See und einer Autofahrt zum Parkplatz eines Strandbades ausmacht. Die Wassertemperatur trägt im Hochsommer und bis in den September hinein, und ein Steg auf der Nordseite des Sees liegt abends in der Sonne. Zwei Punkte gehören zur Rechnung: Solche Häuser liegen in der teuersten Preisklasse, und die Uferparzellen sind schmal, sodass zwischen Steg und Zimmer die Uferstraße verlaufen kann. Ein Blick auf die Lage des Grundstücks im Verhältnis zur Straße klärt mehr als jede Kategorie.
Seebühne, Nobelpreisträgertagung und die stille Thurgauer Gegenkante
Im Juli und August liegt am Ostufer nicht nur Hochsaison, sondern zusätzlich Festspielzeit: Die Bregenzer Seebühne spielt an Sommerabenden vor großem Publikum, und das zieht Betten und Verkehr weit über Bregenz hinaus an — Lochau, Hard, Hörbranz und Lindau hängen mit im selben Markt. Lindau selbst ist außerdem Tagungsstadt; Ende Juni und Anfang Juli belegt die Nobelpreisträgertagung die Insel. Die Konsequenz für die Quartiersuche: Am Ostufer folgt die Auslastung im Sommer nicht nur den Schulferien, sondern einem zweiten, kulturell getakteten Kalender. Dazu kommt die Inselfrage — ein Zimmer auf der Lindauer Insel bedeutet eingeschränkte Zufahrt und knappen, teuren Stellplatz, während die Festlandsteile praktikabler sind, wenn das Motorrad nachts sicher stehen soll.
Das Gegenmodell liegt gegenüber. Das thurgauische Untersee-Ufer mit Ermatingen, Berlingen, Steckborn und Mammern ist dörflich geblieben, ebenso die Obersee-Orte Arbon und Romanshorn; die Seestrasse führt hier durch eine Kette kleiner Gemeinden statt durch Ausflugszentren. Dafür gilt ein enges Tempokorsett, das konsequent kontrolliert wird, und das Preisniveau ist das höchste am See. Wer in Kreuzlingen schläft, steht trotzdem faktisch in Konstanz — die Stadtgrenze trennt hier nur auf dem Papier. Als Ausweichquartier in den vollen Wochen und als ruhige Basis für den westlichen Seeteil ist das Schweizer Ufer die verlässlichste Alternative, die der See zu bieten hat.
Der Tag ohne Motorrad: Schiff, Luftschiff, Museen
Kaum eine Region bietet so viel Programm ohne eigene Maschine. Die Kursschiffe verbinden im Sommer sämtliche größeren Orte am See, sodass sich ein Tag komplett auf dem Wasser gestalten lässt — als Ruhetag nach einer langen Etappe oder an einem Tag mit Dauerregen. Für Regenwetter im engeren Sinn stehen die Museen: Das Zeppelin Museum in Friedrichshafen zeigt die Geschichte der Luftschifffahrt am Ort ihrer Entstehung, wenige Kilometer entfernt behandelt das Dornier Museum den Flugzeugbau der Region. Ab dem Flughafen Friedrichshafen starten außerdem Rundflüge mit dem Zeppelin NT, dem einzigen im Linienbetrieb fliegenden Luftschiff dieser Bauart.
Kulturell liegt der Schwerpunkt am Nordufer. Das Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen rekonstruiert die prähistorischen Siedlungen, deren Fundstellen rund um die Alpen zum UNESCO-Welterbe zählen. Oberhalb davon steht die Wallfahrtskirche Birnau als barocker Blickfang über den Rebhängen, und im Westen liegt die Klosterinsel Reichenau, ebenfalls Welterbe. Die Insel Mainau ist autofrei zugänglich, das Motorrad bleibt auf dem Festlandparkplatz. Für ein Standquartier am nördlichen Obersee liegen diese Ziele allesamt innerhalb einer halben Stunde — Programm, das ohne Umbuchen und ohne Gepäckwechsel funktioniert.
Radgäste als Mitbewerber: Trockenraum, Waschplatz und frühes Frühstück gibt es schon
Der Bodensee-Radweg führt auf rund 260 Kilometern einmal um das gesamte Ufer und gehört zu den meistbefahrenen Radfernwegen Europas. Diese Route bestimmt den Bettenmarkt der Uferorte stärker, als es auf den ersten Blick scheint. Radreisende fahren in Etappen von 40 bis 60 Kilometern, und daraus ergeben sich feste Übernachtungsorte, die sich Jahr für Jahr wiederholen. Ein großer Teil dieser Gäste bucht über Veranstalter, die Zimmerkontingente in denselben mittleren Häusern blockieren, die auch für Motorradreisende interessant sind — familiengeführt, zentral, mit Frühstück und mittlerer Preisklasse. Die Buchungen liegen dabei früh, oft im Winter für den kommenden Sommer.
Der Wettbewerb hat allerdings eine angenehme Kehrseite. Weil diese Häuser seit Jahrzehnten Radgäste bedienen, ist ihre Ausstattung genau die, die einem Motorrad ebenfalls nützt: abschließbare Räume mit ebenerdiger Zufahrt, ein Waschplatz im Hof, ein Trockenraum für nasse Kleidung und ein Frühstück, das früh beginnt statt um halb neun. Ein Haus, das sich an Radreisende richtet, hat die Infrastruktur also schon, und ein Motorrad passt in denselben Raum. Zwei Einschränkungen bleiben: In der Hochsaison sind diese Zimmer als Erste vergriffen, und manche Betriebe nehmen in ihren abschließbaren Räumen ausschließlich Fahrräder auf, weil die Versicherung an die Nutzung gebunden ist. Ein Anruf statt einer Online-Buchung klärt beides – und dazu, ob der Hof für eine schwere Maschine befestigt ist.
Franken, Gästetaxe und Vignette: was drei Länder an der Rechnung ändern
Preislich verlaufen am Bodensee zwei Linien gleichzeitig. Die eine folgt dem Wassersaum: Ein Haus mit Seeblick in einem Kurort kostet ein Vielfaches eines Gasthofs, der nur wenige Fahrminuten weiter im Hügelland steht. Dazu kommt in den Fremdenverkehrsorten die Gästetaxe pro Person und Nacht, die getrennt vom Zimmerpreis abgerechnet wird und bei kurzen Aufenthalten spürbar ins Gewicht fällt. Die zweite Linie verläuft an den Grenzen: Am günstigsten und mit der größten Auswahl schläfst du auf der deutschen Seite, das österreichische Vorarlberg liegt in ähnlicher Größenordnung, und das Schweizer Ufer bildet die teuerste Stufe, wo in Franken abgerechnet wird und auch die Verpflegung spürbar mehr kostet. Wer aufs Budget schaut, übernachtet günstiger in Deutschland und macht den Abstecher in die Schweiz tagsüber.
Die Schweiz gehört zwar zum Schengen-Raum, aber nicht zur EU-Zollunion – stichprobenartige Zollkontrollen sind möglich, der Ausweis gehört also griffbereit ins Gepäck. Wichtiger fürs Motorrad ist die Vignette. In Österreich brauchst du für Autobahn und Schnellstraße eine Motorrad-Vignette, in der Schweiz für die Autobahn eine Vignette, die es nur als Jahresvignette gibt. Rund um den See führen die Strecken meist über Landstraßen, damit entfällt beides – wer sein Quartier auf der gegenüberliegenden Seite hat und die Autobahn zum Pendeln nutzen will, löst dagegen die jeweilige Vignette oder weicht über Land aus. Auf den deutschen Uferstraßen fällt keine Maut an – ein Punkt, den du bei der Wahl der Seite ruhig mit einrechnest, wenn du ohnehin viel über Land unterwegs bist.
Obstblüte, Hochnebel und die lange Randsaison: wann du buchst
Die Quartier-Saison am Bodensee läuft grob von Mai bis Oktober, und die Unterschiede zwischen den Monaten sind groß. Der Hochsommer (Juli und August) ist die schönste, aber auch die vollste und teuerste Zeit: Der See ist ein Ferienziel für Familien, Radfahrer und Badegäste zugleich, die Uferorte sind gesteckt voll, und gute Betten am Wasser sind Wochen im Voraus vergriffen. Willst du dann direkt am See schlafen, buch früh und rechne mit Hochsaisonpreisen. Dazu kommen die Feiertage und großen Veranstaltungen, an denen die ganze Region ausgebucht sein kann. Deutlich entspannter und günstiger ist die Nebensaison – Mai, Juni und vor allem der September, wenn das Wetter am See oft noch mild und stabil ist, die Preise aber fallen und du auch kurzfristig noch ein ruhiges Zimmer findest. Unter der Woche ist überall mehr frei und billiger als am Wochenende.
Dass die Randsaison hier länger trägt als anderswo, liegt am See selbst. Die 536 Quadratkilometer Wasserfläche wirken wie ein riesiger Speicher: Im Frühjahr hält der See die Umgebung länger kühl, im Herbst gibt er die gespeicherte Wärme zurück. Daraus entsteht das milde Klima, dem die Region ihren Weinbau am Nordufer und eines der größten Obstanbaugebiete Deutschlands verdankt. Für Motorradfahrer bedeutet dieser Puffer eine ungewöhnlich lange Saison. Während in den benachbarten Mittelgebirgen im Oktober die Nächte schon frostig werden, bleiben die Uferorte mild, und noch im späten Oktober lassen sich hier Tage im Sattel verbringen, die dreißig Kilometer landeinwärts nicht mehr möglich sind.
Zwei Zeitfenster sind für die Quartiersuche besonders interessant. Das erste ist die Obstblüte Ende April und Anfang Mai, wenn die Hänge über dem Nordufer weiß stehen — landschaftlich der schönste Moment des Jahres und preislich noch Vorsaison. Das zweite liegt zwischen Mitte September und Ende Oktober: Die Ferienfamilien sind weg, die Häuser haben Kapazität, die Preise geben nach, und die Straßen sind leer. Der Preis dafür ist der Nebel. Ab Oktober liegt an vielen Morgen eine geschlossene Hochnebeldecke über dem Wasser, die sich erst gegen Mittag hebt, während die Höhen im Hinterland darüber in der Sonne liegen. Ein Quartier im Linzgau oder im Westallgäu startet an solchen Tagen trocken, eines direkt am Ufer nicht. Für die Tagesplanung im Herbst ergibt sich daraus eine einfache Reihenfolge: vormittags in die Höhen des Hinterlands, nachmittags ans Wasser zurück, wenn die Decke aufgerissen ist.
Wenn die Portale nur noch Restbetten zeigen: Gästeinfo vor Ort und Bodensee Tourismus
Wenn du vor Ort noch etwas brauchst – eine Unterkunft für die nächste Nacht, einen Tipp zu einem Gasthof oder Kartenmaterial – sind die örtlichen Tourismusbüros die richtige Anlaufstelle. In Konstanz, Friedrichshafen, Meersburg, Überlingen, Lindau und im österreichischen Bregenz gibt es besetzte Info-Stellen, die auch bei der Zimmersuche helfen und wissen, wo noch etwas frei ist. Gerade in der Hochsaison, wenn die großen Portale nur noch teure Restbetten zeigen, kommst du über einen kurzen Anruf beim Büro oder direkt beim Gastgeber oft schneller und günstiger ans Ziel.
Länderübergreifend gibt es für den ganzen See die Internationale Bodensee Tourismus GmbH mit Sitz in Konstanz, die Deutschland, Österreich und die Schweiz gemeinsam bewirbt und einen guten Überblick über die Region bietet. Für die Feinplanung sind aber die örtlichen Stellen wertvoller – sie kennen die Höfe, Pensionen und kleinen Plätze, die nicht auf jedem Portal auftauchen, und sie wissen im Sommer, welcher Campingplatz noch aufnimmt.
Woran du ein gutes Motorradhotel am Bodensee erkennst
Nicht jedes Haus ist auf Motorradfahrer eingestellt. So sieht es bei den 12 Häusern aus, die hier gelistet sind:
Abschließbare Garage
Garage oder Carport: 4 von 12 Häusern. Die Maschine steht nachts trocken und aus dem Blick.
Trockenraum
Trockenraum: 2 von 12 Häusern. Nasse Kombi und Handschuhe sind morgens wieder tragbar.
Schrauberecke & Waschplatz
Werkzeug, Kettenspray und ein Platz zum Abspritzen für die kleine Wartung am Abend.
Tourentipps vom Wirt
Tourentipps vom Gastgeber: 2 von 12 Häusern. Gefahrene Strecken statt Prospektrouten.
Ladepunkt
Lademöglichkeit: 3 von 12 Häusern. Für alle, die elektrisch unterwegs sind.
Geprüfte Bewertungen
Gästebewertungen liegen vor für 12 von 12 Häusern.

